Wahlstatistische Datenbank für Schleswig-Holstein 1919-1938

Redaktioneller Hinweis:
Der folgende Text befindet sich in der Überarbeitungsphase, da sich der Forschungsstand und der Stand der statistischen Erhebung seit der letzten Aktualisierung im Juni 2005 stark verändert hat. Aufgrund von Arbeitskapazitäten kann derzeit noch nicht abschließend gesagt werden, wann sämtliche Teile der hier angekündigten Veränderungen ins Netz gestellt werden können. Bei Fragen bitte im Zweifelsfalle direkt an den Verfasser wenden Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Diese Datenbank unterliegt dem Datenbankschutzrecht. Jede gewerbliche Nutzung ebenso wie die Vervielfältigung (Spiegeln auf fremden Servern) - auch zur Verwendung im (akademischen) Unterricht - ist nur nach Rücksprache mit dem Autor erlaubt. Stand: August 2009

 

 

Einführung Statistik Gebietsreformen Kontakt Literatur

 

 

 

Vorbemerkung
Der Autor befasst sich seit mehreren Jahren mit dem Thema Wahlen und Volksabstimmungen im Nationalsozialismus (1933-1938). Nach einer ersten lokalgeschichtlichen Studie zu Kiel und einer ersten Veröffentlichung zur Abstimmung vom November 1933 in Schleswig-Holstein (ISHZ 39) konnte in den folgenden Jahren das Projekt zum Wahlverhalten in der NS-Diktatur abgeschlossen für Altona, Lübeck und Neumünster lokalgeschichtliche Vertiefungen vorgelegt werden. Nach Abschluss der Studien zu Wahlen in der NS-Diktatur hat der Autor sich den Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik zugewandt und dazu erste Aufsätze vorgelegt  (siehe Literatur). Im Zuge der Forschungen entstand eine Datenbank zu entstehen, die sich zuerst aus der statistischen Erhebung für die Abstimmungen im Einparteien-Staat speiste, d.h. für die Reichstagswahl und die Volksabstimmung vom 12. November 1933 (Völkerbundsaustritt), die Volksabstimmung vom 19. August 1934 (Reichspräsidentschaft), die Reichstagswahlen vom 29. März 1936, die Volksabstimmung und Wahl zum Großdeutschen Reichstag vom 10. April 1938 (Annexion Österreichs) sowie die Sudetendeutsche Ergänzungswahl vom 4. Dezember 1938. Es folgten aus Vergleichszwecken auch Erhebungen der Wahlergebnisse von April, Juli und November 1932 bis März 1933 in der Weimarer Republik und aktuell die Erhebung sämtlicher Schleswig-Holstein weiter Wahlen und Abstimmungen von 1919 bis 1933: die Provinzial-Landtagswahlen, die preußischen Landtagswahlen, die Reichstagswahlen, die Reichspräsidentschaftswahlgänge sowie die Volksbegehren und Volksentscheide. In der Regel handelt es sich um die Überlieferung zu allen Gemeinden mit mindestens 2.000 Einwohnern, z.T. aber auch nur um die Ergebnisse auf Ebene der Stadt- und Landkreise. Für einzelne Städte und Landkreise sind außerdem Daten zu allen Wahllokalen bzw. den Dörfern und Gemeinden unter 2.000 Einwohnern erhoben worden (zumeist aus Zeitungs- und Landesarchivquellen). Teile dieser Datensätze sollen im Folgenden allen Interessierten zur freien Verfügung gestellt werden, andere dienen der vertiefenden Analyse des Aufstiegs des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein sowie der Parteien- und Wahl(kampf)forschung. In Planung ist außerdem ein wahlkartografischer Atlas, der den Aufstieg der NSDAP und ihrer völkisch-antisemitischen Vorläuferparteien von 1919 – 1933 darstellen soll. Angesichts der Zeitkapazitäten des Autors ist es zwar weiterhin das Ziel, alle statistischen Daten frei zugänglich zu machen, doch dürfte dies erst mittelfristig der Fall sein.

Anmerkung: Reichsweit fanden am 6. Juni 1920 Wahlen statt. Diese wurden für den Wahlkreis Schleswig-Holstein aufgrund der Abstimmungen in Nordschleswig (Februar/März 1920) auf den 20. Februar 1921 verschoben.

Einführung
Die Kernfrage der modernen historischen Wahlforschung lautet: „Wer wählte wann und wieso eine bestimmte Partei?“ Dies schließt sowohl die Frage nach der Klientel als auch die Frage nach den Motiven der Wählerschaft ein. Für die Geschichte der Weimarer Republik wird in der Regel auf die Fragen abgehoben „Wer wählte die NSDAP?“, welche schichtenspezifischen Aussagen sind anhand der statistischen Überlieferung möglich und wie sieht der Zusammenhang zwischen Milieu und Wahlverhalten aus. Für Schleswig-Holstein sind bis heute nur Teile dieser Fragestellungen befriedigend beantwortet worden. Nach der frühen Pionierarbeit von Rudolf Heberle („Landvolk und Nationalsozialismus“, 1963, Erstveröffentlichung 1945 in den USA) folgten erst Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er Jahre Forschungsarbeiten, die zumeist auf Kreisebene das Wahlverhalten der Bevölkerung beleuchteten und sich zumeist mit den Thesen Heberles bzw. denen von Rudolf Rietzler zum Aufstieg der NSDAP („Kampf in der Nordmark“, 1982) auseinandersetzten. Der Fokus war dabei fast zwangsläufig auf den Versuch ausgerichtet, den Aufstieg der NSDAP zu erklären, so dass Milieu und Wahlverhalten, die Wahlkämpfe und die anderen Parteien nur zum Teil vertiefend dargestellt wurden. In der Folge fehlt bis heute für Schleswig-Holstein eine Gesamtdarstellung aller Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik. Lediglich am Rande werden bis heute insbesondere die preußischen Landtagswahlen erwähnt, die Provinzial-Landtagswahlen und die Ereignisse im Provinzial-Landtag sind ebenso erst in Ansätzen erforscht und von den Plebisziten wird häufig genug nur die Anti-Young-Plan-Kampagne der reaktionären Parteien und der NSDAP Ende 1929 in die Forschungen eingezogen. Noch schlechter sieht es für Schleswig-Holstein mit der Parteienforschung und mit der Rekonstruktion der Wahlkämpfe aus. Hier gibt es insbesondere auf Seiten der bürgerlichen Parteien große Defizite, auch die regionale KPD ist noch zu wenig beleuchtet worden und die Geschichte der einzelnen Wahlkämpfe muss ebenfalls noch intensiver als bisher von der Forschung angegangen werden. Grundsätzlich steht eine Gesamtgeschichte der Wahlen und Abstimmungen in Schleswig-Holstein in der Weimarer Republik also noch aus. Dafür müssten neben der Einbeziehung aller überlieferten Wahlergebnisse, einschließlich der preußischen Landtagswahlen und der Provinziallandtagswahlen sowie der Volksentscheide auf Reichs- und Landesebene sämtliche Wahlkämpfe und die Wahlpropaganda der wichtigsten Parteien rekonstruiert sowie weitere (überregionale) Quellenbestände einbezogen werden, um die Wählerwanderungen und Wählerherkünfte regional fundiert analysieren und einordnen zu können. Im Einzelfall könnten auch Schichtungsanalysen aufgrund von Auswertungen von Adressbüchern sinnvoll sein, wobei sich hier Großstädte und größere Städte bzw. einzelne Landkreise mit gut überlieferter Wahlstatistik anbieten würden. Alles zusammen wären Schritte für eine (wahlsoziologische) regionale Gesamtgeschichte der Wahlen und Abstimmungen in Schleswig-Holstein.
 

Die Datenbank
Die wahlstatistische Datenbank gliedert sich in drei Teilbereiche und zwar
A. Ergebnisse auf der Ebene der Gemeinden, der Stadt- und Landkreise Schleswig-Holsteins (in der Regel Reichstagswahlen, Landtagswahlen, Provinzial-Landtagswahlen);
B. Ergebnisse auf der Ebene der Wahllokale für die größeren Städte und ausgewählte Landkreise Schleswig-Holsteins (Kiel, z.T. Lübeck, z.T. Landkreise Plön, Norderdithmarschen, Steinburg);
C. Sonstige Datensätze (in der Regel: Volkszählungsdaten 1933, 1939).
Sie umfasst einerseits die jeweiligen Einzelergebnisse aus verschiedenen Städten auf Ebene der Stimmbezirke – d.h. den Wahllokalen mit etwa je 1.000 Wahlberechtigten –, andererseits weitere Daten aus Norddeutschland. So wurden u.a. sämtliche amtlichen Endergebnisse aus der Statistik des Deutschen Reichs für (die preußische Provinz) Schleswig-Holstein (Wahlkreis 13) seit der Wahl zur Nationalversammlung vom 19. Januar 1919 bis zur Abstimmung vom 10. April 1938 erhoben. Dies schließt im Detail die Ergebnisse auf Gemeindeebene (mit mind. 2.000 EinwohnerInnen) sowie der ländlichen Restbezirke (unter 2.000 Einw.) ein. Hinzu kommen einzelne Daten auf Wahlkreisebene zu Hamburg (Wahlkreis 34) sowie ausgewählte Gemeinden in Norddeutschland sowie Teile der Ergebnisse der Volkszählungen 1933 und 1939. Die erhobenen statistischen Daten sollen auf längere Sicht für alle Interessierten zugänglich gemacht und durch weitere Detailforschungen ergänzt werden. Als ersten Schritt erfolgt die Dokumentation der Ergebnisse auf Stadt- und Landkreisebene für die Reichstagswahlen von 1921-1933 und die Wahlen zu den verfassungsgebenden Versammlungen 1919. Die Datenbank umfasst derzeit die folgenden Wahl- und Abstimmungsergebnisse (Mai 2009):

Weimarer Republik
Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung vom 19. Januar 1919
Wahlen zur verfassungsgebenden preußischen Landesversammlung vom 26. Januar 1919
Reichstagswahl vom 20. Februar 1921 (regulärer Termin reichsweit: 6. Juni 1920,
in Schleswig-Holstein wegen der Volksabstimmung über Nord-Schleswig im Februar/März 1920 verschoben)
Preußische Landtagswahl vom 20. Februar 1921
Preußische Provinzial-Landtagswahl vom 20. Februar 1921
Reichstagswahl vom 4. Mai 1924
Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924
Preußische Landtagswahl vom 7. Dezember 1924
Reichspräsidentenwahl vom 29. März 1925 (I. Wahlgang)
Reichspräsidentenwahl vom 26. April 1925 (II. Wahlgang)
Preußische Provinzial-Landtagswahl vom 29. November 1925
Volksbegehren (März 1926) und Volksentscheid „Fürstenenteignung“ vom 20. Juni 1926
Reichstagswahl vom 20. Mai 1928
[Preußische Landtagswahl vom 20. Mai 1928, noch nicht erhoben, FO]
Volksbegehren "Panzerkreuzerverbot" vom 3-16. Oktober 1928
Preußische Provinzial-Landtagswahl vom 17. November 1929
Volksbegehren (Oktober) und Volksentscheid "Freiheitsgesetz" (Anti-Youngplan-Kampagne) vom 22. Dezember 1929
Reichstagswahl vom 14. September 1930
Volksbegehren und Volksentscheid „Auflösung des preußischen Landtages“ vom 11. August 1931
Reichspräsidentenwahl vom 13. März 1932 (I. Wahlgang)
Reichspräsidentenwahl vom 10. April 1932 (II. Wahlgang)
Preußische Landtagswahl vom 24. April 1932
Reichstagswahl vom 31. Juli 1932
Reichstagswahl vom 6. November 1932
[Preußische Landtagswahl vom 5. März 1933, noch nicht erhoben, FO]
Reichstagswahl vom 5. März 1933
Preußische Provinzial-Landtagswahl vom 12. März 1933

Einparteienstaat der NSDAP
Reichstagswahl vom 12. November 1933
Volksabstimmung vom 12. November 1933
Volksabstimmung vom 19. August 1934
Reichstagswahl vom 29. März 1936
Volksabstimmung und Wahl zum Großdeutschen Reichstag vom 10. April 1938
Sudetendeutsche Ergänzungswahl vom Dezember 1938
 

Zur Vergleichbarkeit der Wahlergebnisse
Methodisch werden in den nachfolgenden Tabellen zuerst die Wahlergebnisse wiedergegeben, es folgt die Berechnung der Stimmergebnisse in abgegebenen gültigen Stimmen und danach in Prozent der Wahlberechtigten. Letzteres – die so genannte Stimmausschöpfung – ist die Voraussetzung für qualitative Wahlanalysen. Während der Vergleich von Wahlergebnissen in gültigen Stimmen den Nachteil hat, die Wahlenthaltungen nicht zu erfassen, können Analysen in Prozent der Wahlberechtigten das Stimmverhalten aller Wahlberechtigten abbilden. Die sonst auftretenden Verzerrungen aufgrund von unterschiedlich hohen Wahlbeteiligungen können so ausgeschlossen werden und erst so ist es möglich, Wahlen über einen längeren Zeitraum miteinander zu vergleichen! Das folgende Beispiel soll die Auswirkungen in der statistischen Analyse verdeutlichen:
 

Gemeindegröße Wahlbeteiligung In Prozent
 der gültigen Stimmen
In Prozent
 der Wahlberechtigten
Dorf (200 Wahlberechtigte) 100 von 200 = 50 % 10 von 100 = 10 % 10 von 200 = 5 %
Kleinstadt (5.000 Wahlberechtigte) 4.000 von 5.000 = 80 % 400 von 4.000 = 10 % 400 von 5.000 = 8 %
Großstadt (100.000 Wahlberechtigte) 50.000 von 100.000 = 50 % 5.000 von 50.000 = 10 % 5.000 von 100.000 = 5 %

 

Lesebeispiel und Analyse:

Partei A hat bei einer Wahl sowohl in einem Dorf, einer Kleinstadt als auch in einer Großstadt jeweils 10 % der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten (Spalte 3). Die Wahlbeteiligung fiel in allen drei Gemeinden allerdings unterschiedlich aus: Auf dem Dorf und in der Großstadt lag sie bei 50 % (Spalte 2), während sie in der Kleinstadt mit 80 % deutlich höher ausfiel. Unter Einschluss aller Wahlberechtigten (Spalte 4) konnte Partei A auf dem Dorf und in der Großstadt jeweils 5 % aller Wahlberechtigten, in der Kleinstadt dagegen 8 % von ihnen für sich gewinnen.
Um das Problem für die Wahlanalyse zu verstehen, ist erstens zu beachten, dass im obigen Beispiel auf dem Dorf, der Klein- und der Großstadt eine unterschiedlich hohe Wahlbeteiligung zu verzeichnen ist (50 % / 80 % / 50 %). Beim Vergleich der Stimmergebnisse einer fiktiven Partei A auf der Basis der abgegebenen gültigen Stimmen ergibt sich aber für die abgebildete Partei überall eine gleichhohe Zustimmung von 10 Prozent. In der Wahlanalyse würde man also davon ausgehen, dass es dieser Partei gelungen ist, unabhängig von der jeweiligen Gemeindegröße ihre Wählerschaft zu mobilisieren, denn sie ist scheinbar überall gleich erfolgreich. Unter Einbeziehung der regional jeweils sehr unterschiedlichen Wahlbeteiligung sieht das Ergebnis aber deutlich anders aus: die Partei konnte gerade in der Kleinstadt ihre Wähler mobilisieren und verzeichnet dort ihre größten Stimmenergebnisse (8 Prozent), während es auf dem Dorf und in der Großstadt lediglich 5 Prozent sind. Die Stimmausschöpfung der Partei ist also in der Kleinstadt am höchsten, was in der Wahlanalyse erst durch Berechnung in Prozent der Wahlberechtigten zum Vorschein kommt.

Die Analyse von Wahlergebnissen – unabhängig davon, ob sich diese auf Kreise, Gemeinden oder Wahllokale beziehen – muss sich deshalb immer auf den Vergleichsmaßstab in Prozent der Wahlberechtigten beziehen, denn nur so sind grundsätzliche Interpretationsfehler auszuschließen. Bedauerlicherweise basieren aber so gut wie alle bisherigen Analysen der Wahlergebnisse in Schleswig-Holstein von 1919-1933 auf einem Vergleich der abgegebenen gültigen Stimmen, was Fehlschlüsse und Fehlannahmen befördert hat.

 

Anmerkungen zu den relevanten Gebietsreformen in Schleswig-Holstein und Umgebung
Der Reichstagswahlkreis 14 (1919-1920) bzw. 13, Schleswig-Holstein, umfasste von 1919 bis 1937 im Kern das heutige Bundesland ohne Lübeck und einschließlich der Städte und Gemeinden im westlichen und östlichen Gebieten des heutigen Hamburg. Auch in der Weimarer Republik hat es verschiedene Gebietsreformen gegeben, so dass sich sowohl auf Gemeindeebene (insbesondere durch die Auflösung der Gutsbezirke Ende 1927), Eingemeindungen in die größeren Städte (Altona, Kiel) und Kreisgebietsreformen (Auflösung der Kreise Bordesholm und Auflösung des Inselkreises Helgoland, 1932) sich sowohl die Kreisgrenzen als auch die Anzahl der Kreise und Gemeinden im Untersuchungszeitraum veränderte.Die wichtigsten Veränderungen waren in Kürze:
1. Nach der Abstimmung 1920 kamen die nördlichen Teile Schleswig-Holsteins (Nordschleswig), d.h. im Kern die Kreise Hadersleben, Apenrade, Sonderburg, Teile von Tondern und kleinere Teile des Landkreises Flensburg zu Dänemark.
2. Im Oktober 1932 wurde der Landkreis Bordesholm zugunsten der umliegenden Kreise Rendsburg, Plön und Segeberg aufgelöst und der seit 1922 eigenständige Kreis Helgoland kam zum Kreis Pinneberg.
3. Die Zusammenlegung der Kreise Husum und Eiderstedt sowie der beiden Dithmarschen (1. Oktober 1932 bis 30. September 1933) wurde wieder zurückgenommen und hatte deshalb für die Abbildung der Wahlergebnisse in diesem Zeitraum keine Relevanz, auf Kreistagswahlebene hingegen schon. (Die Statistik des Deutschen Reiches für die damals stattfindenden Wahlen berücksichtigte diese Gebietsveränderungen nicht!).
4. Lübeck gehörte bis 1937/38 nicht zum Reichstagswahlkreis Schleswig-Holstein, sondern zum Wahlkreis 35, Mecklenburg, war als eigenständiges Land (wie die Hansestädte Bremen und Hamburg) im Reichsrat vertreten und wählte eine eigenständige Bürgerschaft.
5. Der oldenburgische Landesteil Lübeck (bzw. 1919: das Fürstentum Lübeck) gehörte zum Land Oldenburg und wählte entsprechend den dortigen Landtag mit, während eine Teilnahme an den preußischen Landtags- bzw. Provinziallandtagswahlen natürlich nicht stattfand. Auf Ebene der Reichstagswahlen gehörte der Landesteil Lübeck hingegen zum Reichstagswahlkreis Schleswig-Holstein.
6. Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes vom April 1937 gingen die Stadtkreise Altona und Wandsbek sowie große Teile des Kreis Stormarn an Hamburg über; die bisher nicht zu Schleswig-Holstein zählende Stadt Lübeck, das Landgebiet Lübeck sowie der oldenburgische Landesteil Lübeck (in der Folge als Landkreis Eutin bezeichnet) gingen an Schleswig-Holstein. Hinzu kamen weitere kleinere Gebietsaustausche zwischen Preußen und Hamburg.

Sämtliche dieser Gebietsveränderungen führen dazu, dass es wahlstatistisch nur durch die Erstellung „fiktiver“ Kreisgebiete und Gemeinden möglich ist, valide Vergleichseinheiten herzustellen, da ansonsten beim Vergleich der Gebiets- und Wahlkörper das Problem von Fehlschlüssen auftreten kann.

 

Literaturhinweise

Schleswig-Holstein, Wahlen und Volksabstimmungen in der NS-Diktatur

  •  
  • Frank Omland, „Deutschland total nationalsozialistisch" Reichstagswahlen und Volksabstimmungen 1933-1938, das Beispiel Schleswig-Holstein (i.E. voraussichtlich 2011) [Aufsatz für die "Internationale historische Konferenz: Wahlen in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts / Elections under 20th Century dictatorships. Historisches Seminar der Universität Köln, 7.5.-9.5.2009."]
  • Frank Omland, Plebiszite in der Zustimmungsdiktatur - Die nationalsozialistischen Volksabstimmungen 1933,1934 und 1938: das Beispiel Schleswig-Holstein. In: Lars P. Feld u.a. (Hg.): Jahrbuch für direkte Demokratie 2009. Baden-Baden 2010, S. 131-159.
  • Frank Omland, „Auf Deine Stimme kommt es an!“ Die Reichstagswahl und Volksabstimmung am 12. November 1933 in Altona. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 94 (2008), S. 57-88.
  • Frank Omland, „Jeder Deutsche sagt morgen: Ja!“. Neumünster und die erste Reichstagswahl und Volksabstimmung im Nationalsozialismus am 12. November 1933. Hamburg 2007.
  • Frank Omland, „Du wählst mi nich Hitler!“ Reichstagswahlen und Volksabstimmungen in Schleswig-Holstein 1933-1938. Hamburg 2006. 256 Seiten.
  • Frank Omland, „Jeder Deutscher stimmt mit Ja!“ Die erste Reichstagswahl und Volksabstimmung im Nationalsozialismus am 12. November 1933. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 131 (2006), S. 133-175. [Schwerpunkt: Lübeck]
  • Frank Omland, Wahlkampf, Wahlzwang, Wahlfälschung. Nationalsozialistische Volksabstimmungen und Reichstagswahlen in Kiel 1933-1938. Teil 1: Die Reichstagswahl und Volksabstimmung vom 12.11.1933, die Volksabstimmung vom 19.8.1934. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 80, Heft 6, Kiel 2002, S. 241-294. [Methodisch überholt].
  • Frank Omland, Nationalsozialistische Volksabstimmungen und Reichstagswahlen in Kiel 1933-1938. Hamburg 2001. (PDF, 1,15 MB)
  • Frank Omland, „Unser aller ‚Ja‘ dem Führer!“ Zur Geschichte der ersten nationalsozialistischen Reichstagswahl und Volksabstimmung vom 12. November 1933 in Schleswig-Holstein. In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte 39 (2001), S. 3-50. [Methodisch und forschungstechnisch überholt].

Schleswig-Holstein, Wahlen und Volksentscheide in der Weimarer Republik

  • Rudolf Heberle, Landbevölkerung und Nationalsozialismus. Eine soziologische Untersuchung der politischen Willensbildung in Schleswig-Holstein 1918 bis 1932. Stuttgart 1963.
  • Peter Heinacher, Die Anfänge des Nationalsozialismus im Kreis Segeberg. Bad Bramstedt 1976.
  • Peter Heinacher, Der Aufstieg der NSDAP im Stadt- und Landkreis Flensburg 1919–1933. 2 Bände. Flensburg 1986.
  • Gerhard Hoch, Das Scheitern der Demokratie im ländlichen Raum. Das Beispiel der Region Kaltenkirchen/Henstedt-Ulzburg 1870–1933. Kiel 1988.
  • Uwe Karstens, Die Ausbreitung des Nationalsozialismus in Dithmarschen 1925–1933. Staatsexamensarbeit Kiel 1984.
  • Susanne Kischewski, Der Aufstieg der NSDAP in der Stadt Neumünster und im Landkreis Bordesholm (1918–1933). Kiel 1992.
  • Wilhelm Koops, Südtondern in der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933). Ein Landkreis zwischen Obrigkeitsstaat und Diktatur. Neumünster 1993.
  • Anthony McElligott, Contested city: municipal politics and the rise of Nazism in Altona, 1917–1937. Ann Arbor 1998.
  • Reimer Möller, Eine Küstenregion im politisch-sozialen Umbruch (1860–1933). Die Folgen der Industrialisierung im Landkreis Steinburg (Elbe). Münster u.a. 2007.
  • Carsten Obst, Die Stadt Neumünster im III. Reich. Eine Dokumentation anhand des Quellenbestandes im Stadtarchiv Neumünster. Neumünster 2003. [Stadtbücherei Neumünster]
  • Frank Omland, „Die Nordmark steht zu Hitler!“. Wählerwanderungen und Wählerherkunft der NSDAP 1924-1933. In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte 48 (2007), S. 4-67.
  • Frank Omland, „Gegen das System!“ Zum Aufstieg der NSDAP bei den Wahlen in Schleswig-Holstein 1924-1933. In: Informationen zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 50 (2008), S. 28-53.
  • Frank Omland, „Volk, jetzt entscheide!“ Zum gescheiterten Versuch der entschädigungslosen Enteignung der ehemaligen deutschen Landesfürsten am 20. Juni 1926. In: Demokratische Geschichte 20, Malente 2009, S. 101-129.
  • Frank Omland, „Warum wählt der Schleswig-Holsteiner nationalsozialistisch“. Wahlen, Wählerherkünfte und Wählerwanderungen in Schleswig-Holstein 1928-1933. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 133 (2008), S. 133-174.
  • Frank Omland, „Wie ihr wählt, so wird regiert!“. Wahlen, Wählerherkünfte und Wählerwanderungen in Schleswig-Holstein 1919-1924. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 132 (2007), S. 133-176.
  • Frank Omland, „Wie wähle ich?“ Die Provinziallandtagswahlen in Schleswig-Holstein 1921-1933. In: Detlev Kraack / Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt (Hg.): Brückenschläge aus der Vergangenheit. Festschrift für Peter Wulf zu seinem 70. Geburtstag. Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins Band 44, Neumünster 2008, S. 265-294.
  • Ulrich Pfeil, Der Aufstieg der NSDAP in Heide 1928–1933. Staatsexamensarbeit Hamburg 1992.
  • Dieter Pust, Die ersten demokratischen Wahlen in Schleswig-Holstein – am 19. Januar 1919 zur Weimarer Nationalversammlung. In: Demokratie in Schleswig-Holstein. Historische Aspekte und aktuelle Fragen. Hrsg. von Göttrik Wewer. Opladen 1998, S. 197-211.
  • Rudolf Rietzler, „Kampf in der Nordmark“. Das Aufkommen des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (1919–1928). Neumünster 1982.
  • Christian M. Sörensen, Politische Entwicklung und Aufstieg der NSDAP in den Kreisen Husum und Eiderstedt 1918–1933. Neumünster 1995.
  • Hansjörg Zimmermann, Wahlverhalten und Sozialstruktur im Kreis Herzogtum Lauenburg 1918–1933. Ein Kreis zwischen Obrigkeitsstaat und Demokratie. Neumünster 1978.

Andere Regionen, Deutsches Reich: Wahlen in der NS-Diktatur

  • Dirk Hänisch: Das Wahl- und Abstimmungsverhalten in Chemnitz 1933 und 1934. In: Chemnitz in der NS-Zeit. Beiträge zur Stadtgeschichte 1933-1945. Herausgegeben vom Stadtarchiv Chemnitz. Leipzig 2008, S. 7-36.
  • Otmar Jung: Plebiszit und Diktatur: die Volksabstimmungen der Nationalsozialisten. Die Fälle „Austritt aus dem Völkerbund“ (1933), „Staatsoberhaupt“ (1934) und „Anschluß Österreichs“ (1938). Tübingen 1995.
  • Otmar Jung: Wahlen und Abstimmungen im Dritten Reich 1933-1938. In: Wahlen in Deutschland, hrsg. von Eckhard Jesse u. Konrad Löw. Berlin 1998, S. 69-97.
  • Otmar Jung: Die Volksabstimmungen der Nationalsozialisten. In: Heußner, Hermann K. / Jung, Otmar (Hrsg.): Mehr direkte Demokratie wagen. Volksbegehren und Bürgerentscheid: Geschichte – Praxis – Vorschläge. München 2009, S. 91-102.
  • Christoph Schwieger: Volksgesetzgebung in Deutschland. Der wissenschaftliche Umgang mit plebiszitärer Gesetzgebung auf Reichs- und Bundesebene in Weimarer Republik, Dritten Reich und Bundesrepublik Deutschland (1919–2002). Berlin 2005.

Wahlstatistische Analyse, Logit-Modell, Swing-Index, Anwendungen

  • Sören R. Thomsen: Danish Elections 1920–1979. A Logit Approach to Ecological Analy-sis and Inference. Aarhus 1987.
  • Sigurd Matz: Zeitgemäßes Campaigning in der Bundesrepublik Deutschland: Empirische und evaluative Hinweise zum Swing-Index, einem neuen Instrument des „micro targeting“. In: Duisburger Beiträge zur Sozialogischen Forschung 1/1991, S. 1-18.
  • Amt für Statistik und Einwohnerwesen (Hrsg.): Schätzung der Freiburger Wählerwanderung zwischen den Landtagswahlen 1996/2001. Eine ökologische Analyse auf der Grundlage eines Logit-Modells. (Statistischer Infodienst 15. Juni 2001, S. 1-7).
  • Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung (Hrsg.): Stammwählerschaft und Wechselwähler in den Freiburg Wahlbezirken. Der Swing-Index als Instrument zur Messung der Wahlstabilität. (Statistischer Infodienst 22. März 2006, S. 3-9).

Zur Geschichte Schleswig-Holsteins siehe die Auswahlbibliografie in: „Siegeszug in der Nordmark“ Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus 1925-1950. Schlaglichter – Rekonstruktionen – Studien. = Informationen zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 50 (2008), 400 Seiten. [Darin u.a. Politische Parteien und Verbände, NSDAP und ihre Vorläufer, Regionen].

 

Kontakt
Der Autor ist sehr daran interessiert, Kontakt zu anderen Personen zu erhalten, die sich ebenfalls mit dem Thema Wahlen im Nationalsozialismus beschäftigen und dies auf möglichst kleinräumlicher Basis (Stimmbezirksebene) erforschen. Wer hierzu Hinweise geben kann oder selber dazu forscht, kann sich mit dem Autor unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! in Verbindung setzen. Herzlichen Dank.
 

Frank Omland, Jg. 1967, Dipl. Sozialpädagoge, gebürtiger Schleswig-Holsteiner, lebt in Hamburg und arbeitet dort in einer Beratungsstelle. Seit 1988 engagiert bei der Erforschung und Vermittlung der Geschichte der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus in Kiel und Hamburg. Seit 1991 aktives Mitglied im Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e.V., seit 2003 im Vorstand. Forschungsschwerpunkte: Wahlen und Abstimmungen 1919-1938. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!