Bettina Goldberg

Mit einem Kindertransport nach Großbritannien

Drei ehemalige Kieler erinnern sich

In Großbritannien fanden infolge der restriktiven britischen Einwanderungspolitik in den ersten Jahren der NS-Herrschaft nur wenige Flüchtlinge aus Deutschland Aufnahme. Dies änderte sich allerdings nach dem Novemberpogrom, als die Behörden unter dem Druck der Öffentlichkeit die Einreise erleichterten. Hatten bis dahin dort etwa 11.000 Menschen Asyl erhalten, so erhöhte sich deren Zahl bis Kriegsausbruch um annähernd 40.000. [1]

Von besonderer Bedeutung war der Beschluß der britischen Regierung vom 16. November 1938, etwa 10.000 Kindern im Alter bis zu 18 Jahren im Königreich zeitweilig Zuflucht zu gewähren, wenn Hilfsorganisationen und Privatleute deren Unterbringung und Unterhalt garantierten. Dieser Beschluß bildete die Grundlage für die 'Kindertransporte', eine groß angelegte Rettungsaktion, durch die zwischen Dezember 1938 und November 1939 annähernd 11.000 meist jüdische Kinder und Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach Großbritannien in Sicherheit gebracht werden konnten. [2]

Mindestens 25 Menschen, die durch die Kindertransporte gerettet wurden, kamen aus dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holstein. [3] Zu ihnen gehören Abraham Becker, Henry Glanz und David Goldberg, drei ehemalige Kieler, die heute in London bzw. Edinburgh zu Hause sind. Im Oktober 1997 hatte ich dankenswerterweise die Gelegenheit, sie in ausführlichen Gesprächen über ihre Kindheit und Jugend in Deutschland, die Flucht und den Neuanfang in Großbritannien zu befragen. So sind es denn auch nicht so sehr Akten, die den folgenden Ausführungen zugrunde liegen, sondern in erster Linie die Erinnerungen der Betroffenen. [4]

Abraham Becker

Hätte er nicht das Grab seiner Mutter auf dem jüdischen Friedhof in der Michelsenstraße noch einmal sehen wollen, wäre Abraham Becker wohl nie wieder nach Deutschland gekommen. Dies jedenfalls sagte er einem Reporter der Kieler Nachrichten, als er im Juni 1990 zusammen mit seinem Bruder Simcha auf Einladung der schleswig-holsteinischen Landesregierung nach über 55 Jahren erstmals wieder seine ehemalige Heimatstadt besuchte. [5]

Abraham Becker wurde am 19. Dezember 1920 als erstes Kind von Feiwel und Bluma Becker (geb. Bombach) in Kiel geboren. Seine Eltern waren kurz zuvor aus dem polnischen Teil Galiziens zugewandert, wohl nicht zuletzt, um sich dem dort herrschenden Antisemitismus zu entziehen. [6] Ebenso wie die Familien Goldberg und Glanz gehörten sie damit zur Gruppe der Ostjuden in Kiel, die 1933 mehr als die Hälfte der 522 Mitglieder starken jüdischen Gemeinde ausmachten. Feiwel Becker betätigte sich als Kleinhändler, einem unter den ostjüdischen Immigranten weitverbreiteten Beruf. Sein Abzahlungsgeschäft für Wäsche und Textilien, in dem man selbst kleinere Einkäufe auf Raten tätigen konnte, befand sich zunächst am Sophienblatt, dann am Knooper Weg, ab April 1930 schließlich in der Gartenstraße 25, wo die Familie im ersten Stock eine große Mietwohnung bezog. [7]

Nur wenige Monate später, am 18. September 1930, starb Bluma Becker 36jährig an Schwindsucht. Abraham war damals noch nicht einmal zehn, seine Brüder Simcha und Osias waren gerade sieben bzw. fünf Jahre alt. "Und da hat mein Vater ein zweites Mal geheiratet, Rosa Sperber, auch eine polnische Jüdin", erzählt er. "Sie war eine wunderbare Frau, sie war auch schon sehr modern." [8]

Rosa Becker legte großen Wert darauf, daß ihre Stiefsöhne eine gute schulische Ausbildung mit auf den Weg bekamen. Deshalb wurde Abraham nach Absolvierung der Grundschule Ostern 1931 auf die 1. Knaben-Mittelschule in der Muhliusstraße geschickt, die spätere Carl-Loewe-Realschule. Er blieb allerdings nur bis 1934 dort, dann ging er zurück in die Volksschule. Ob hierfür das hohe Schulgeld, die immer feindseliger werdende Stimmung oder die zunehmende Perspektivlosigkeit in Deutschland verantwortlich waren, ist Abraham Becker nicht mehr in Erinnerung. "Ich habe viel vergessen aus dieser Zeit", sagt er, "sehr viel!" [9] Sehr gegenwärtig sind die Schuljahre in Kiel dagegen seinem Bruder Simcha, der damals noch Siegfried hieß und auf dem Heimweg regelmäßig von Mitschülern verprügelt wurde. "Wenn ich dann mit zerrissenen Hosen und blutend nach Hause kam, dann schimpfte mein Vater noch auf mich: Was hast du wieder angestellt?!" heißt es in seinen Erinnerungen. "Er konnte sich nie vorstellen, daß von meinem Benehmen nichts abhing. Das war so in den Jahren 1935/ 1936." [10]

Auch wenn Feiwel Becker dies Simcha offensichtlich nicht klar genug zu verstehen gab, war er sich des Leidensweges seines Sohnes doch deutlich bewußt. Mit dem 'Misrachi', dem religiösen Flügel der zionistischen Bewegung, sympathisierend, wollte er seinen Kindern die Möglichkeit geben, nach Palästina zu gehen, wo seit 1934 bereits die Eltern seiner verstorbenen Frau Bluma ansässig waren. [11] Simcha wurde deshalb im April 1936 nach Berlin in das jüdische Kinderheim 'Ahawah' geschickt. Nach etwa zweijähriger Vorbereitung wanderte er im Juli 1938 von dort mit einer Gruppe von Gleichaltrigen in das Kinderdorf 'Ahawah' in Kiryat Bialik bei Haifa aus. Er lebt heute in der Nähe von Tel Aviv. [12]

Mit der seit 1933 bestehenden 'Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugend-Alija', durch deren Engagement bis Ende März 1939 3.262 jüdische Mädchen und Jungen aus Deutschland nach Palästina in Sicherheit gebracht werden konnten, sollte auch Osias auswandern, der jüngste der drei Brüder, weshalb er 1938 ebenfalls nach Berlin kam. Zu diesem Zeitpunkt hatte allerdings Großbritannien infolge der arabisch-jüdischen Unruhen die Einwanderung in ihr Mandatsgebiet bereits drastisch beschränkt. Osias erhielt kein Visum für Palästina. Er konnte jedoch 1939 noch mit einem Kindertransport nach England emigrieren, wo er im Januar 1945 im Alter von nur 19 Jahren an Leukämie starb. [13]

Abraham Becker hatte schon 1935, also vor seinen Brüdern, das Elternhaus in Kiel verlassen. Er wollte Landwirtschaft erlernen, um sich so auf die Auswanderung nach Palästina vorzubereiten. Der 15jährige kam zunächst nach Steckelsdorf in Brandenburg, später nach Gehringshof bei Fulda, zwei Orte, in denen der 'Brith Chaluzim Datiim' (Bachad), der Bund religiöser Pioniere, landwirtschaftliche 'Hachschara-Lager', d. h. als Kibbuzim organisierte Lehrgüter, eingerichtet hatte. [14] Nach dem Pogrom vom November 1938 und den damit verbundenen Zerstörungen wurde eine geregelte Ausbildung der jüdischen Jugendlichen in Deutschland immer schwieriger. Gleichzeitig schwanden mit der Verschärfung der Einwanderungspolitik durch die britische Mandatsmacht die Aussichten auf eine baldige Einreise nach Palästina. Angesichts dieser Situation bemühten sich die zionistischen Organisationen verstärkt darum, Jugendliche zunächst in sogenannten Transitländern unterzubringen. "Ich hatte Glück", sagt Abraham, "viele Chaluzim wurdennach Dänemark geschickt, ich aber kam nach England, wo mich die Nazis nicht schon bald wieder eingeholt hatten." [15]

Henry Glanz

Als Henry Glanz am 1. September 1939 englischen Boden betrat, hatte die deutsche Wehrmacht gerade Polen überfallen und damit das Land, in dem er am 28. Mai 1924 in der galizischen Kleinstadt Zolynia zur Welt gekommen war. 1925 wanderten Mendel Glanz und seine Frau Esther (geb. Buchen) mit ihrem Sohn nach Deutschland aus. Über Berlin zogen sie nach Kiel, wo schon andere Juden aus Zolynia lebten, darunter auch zwei Brüder von Esther Glanz. [16]

Esther hatte in Polen an der Universität Krakau deutsche und russische Literatur studiert. In Kiel betrieb sie zusammen mit ihrem Mann ein Abzahlungsgeschäft für Textilien, das sich in der Wohnung der Familie - zunächst Reventlou-Allee, ab 1930 Sternstraße - befand. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gingen die Umsätze infolge der Boykottpropaganda gegen jüdische Geschäftsleute wohl schon bald deutlich zurück. Jedenfalls mußte die mittlerweile fünfköpfige Familie in eine kleinere und billigere Wohnung in der Adelheidstraße umziehen. [17]

Henry besuchte zu diesem Zeitpunkt noch die 4. Knaben-Volksschule in der Sternstraße. 1935 wurde er auf die 1. Knaben-Mittelschule in der Muhliusstraße umgeschult, die Abraham Becker genau ein Jahr zuvor verlassen hatte. "Die meisten Lehrer waren Antisemiten", meint Henry rückblickend, aber es habe doch auch einige wenige Ausnahmen gegeben. In besonders positiver Erinnerung ist ihm der Lehrer Johannes Hagenah geblieben. "Im Deutschunterricht ist oft gesagt worden, wenn man einen Juden nicht an der Nase erkennt, dann erkennt man ihn an dem Gestank von Knoblauch", erzählt er. "In der Turnstunde stand ich neben einem Jungen, der hat Hagenah gefragt: 'Kann ich woanders stehen? Ich kann den Gestank von Knoblauch nicht vertragen.' Hat Hagenah ihm eine Ohrfeige gegeben, hat gesagt: 'Was du in der Hitler-Jugend machst, darüber hab ich keine Kontrolle. Hier benimmst du dich wie ein zivilisierter Mensch!'" Kurz nach dem Krieg hatte Henry wieder Kontakt zu seinem mittlerweile verstorbenen Lehrer. "Hagenah hätte es verdient, daß man für ihn einen Baum pflanzt", sagt er, "an der Allee der Gerechten in Yad Vashem." [18]

Am 15. November 1938, wenige Tage nach dem reichsweit inszenierten Pogrom, wurde Juden der Besuch 'deutscher' Schulen generell verboten. Die elfjährige Gisela und der neunjährige Joachim Glanz besuchten zu diesem Zeitpunkt schon die zweiklassige jüdische Volksschule in Kiel, die im Vorgriff auf den Erlaß des Reichserziehungsministeriums bereits im April 1938 eingerichtet worden war. Henry Glanz ging nicht in diese Schule. "Meine Mutter fürchtete um meine Bildung", sagt er. Mit dem Hinweis darauf, daß sie ja polnische Staatsangehörige seien, beschwerte sich Esther Glanz beim polnischen Konsulat, und sie setzte sich durch: Ihr Ältester durfte auf der Mittelschule bleiben. [19]

Angesichts des dort herrschenden antisemitischen Klimas stellte sich für Henry der Sieg seiner Mutter eher als Pyrrhussieg dar. Er besuchte die Schule bis zum Frühsommer 1939. Parallel dazu bereitete sich Henry, der der zionistischen Kinder- und Jugendbewegung angehörte, auf die Auswanderung im Rahmen der 'Jugend-Alija' vor. Infolge der immer weiteren Beschränkung der Einwanderung im Jahr 1939 wurde jedoch sein Einreise-Zertifikat für Palästina ungültig. Statt dessen erhielt zunächst seine Schwester Gisela, dann er selbst einen Platz auf einem Kindertransport nach Großbritannien. [20]

David Goldberg

Henry Glanz und David Goldberg waren als Kinder in Kiel gut befreundet gewesen. In England sahen sie sich erst 1989 wieder, als in London etwa tausend Menschen aus aller Welt zusammenkamen, um den 50. Jahrestag ihrer Rettung durch die Kindertransporte zu begehen. [21]

David wurde am 23. November 1923 als zweiter Sohn von Benjamin und Regina Goldberg (geb. Landesmann) in Kiel geboren. Wie die Ehepaare Glanz und Becker stammten Goldbergs aus Galizien und betätigten sich in Kiel im Textilhandel. Bis 1933 hatten sie an der Langen Reihe einen Laden, anschliessend unweit des Hauptbahnhofs in ihrer Wohnung, Lerchenstraße 24, ein Etagengeschäft. [22] Die Verlegung war notwendig geworden, weil immer häufiger Kunden beim Betreten oder Verlassen des Geschäftes durch Nationalsozialisten belästigt wurden. Der Schritt zahlte sich aus: Zumindest in den ersten Jahren der NS-Herrschaft gingen die Umsätze der Firma nur unwesentlich zurück. [23] Die Treue, die ein Großteil der nichtjüdischen Kundschaft ungeachtet aller Boykott-Aufrufe bewies, hatte allerdings die fatale Folge, daß Regina und Benjamin Goldberg - wie viele andere Juden - die Gefahr, in der sie sich befanden, unterschätzten. "1933 oder 34 hätten wir die Möglichkeit gehabt auszuwandern, denn mein Vater hatte Brüder in Amerika, und die haben geschrieben: Kommt her!" erzählt David. "Meine Eltern wollten nicht. Das mit dem Hitler, haben sie gedacht, das wird nicht lange dauern. Aber später, als es schlimmer und schlimmer wurde, da war es nicht mehr so leicht auszuwandern." [24]

Im Herbst 1938 verschärften die Nationalsozialisten ihre antijüdischen Maßnahmen. Am 27. und 28. Oktober wurden annähernd 18.000 Juden polnischer Herkunft in ihren deutschen Heimatgemeinden verhaftet, in Sammelstellen zusammengefaßt und anschließend in Sonderzügen an die polnische Grenze gebracht, wo man sie gegen den Widerstand der polnischen Grenzbeamten nach Polen abschob.

In Schleswig-Holstein fand diese Aktion aus bislang ungeklärten Gründen erst am 29. Oktober, einem Sonnabend, statt. An diesem Tag befanden sich Regina und Benjamin Goldberg zusammen mit ihrem Ältesten in Neumünster, wo sie sich bei einem Kunden, einem Bauern, verstecken konnten. David und sein vierjähriger Bruder Salo, die in Kiel geblieben waren, entgingen dagegen nicht der Verhaftung. "'Ihr geht nach Polen', haben sie gesagt, 'pack, was du tragen kannst!'", erinnert sich David. Obwohl ihm als orthodoxem Juden strikt verboten war, am Sabbath Geld zu berühren, war der 14jährige doch geistesgegenwärtig genug, um sowohl die Kasse als auch einen Koffer voll Waren mitzunehmen. "Ich hab mir gedacht, wenn man uns schickt nach Polen, muß ich doch Geld haben und etwas zu verkaufen", so David rückblickend. [25] Zusammen mit 126 weiteren polnischen Juden, darunter auch die Familien Becker und Glanz, wurden David und Salo Goldberg in einem bewachten Personenzug nach Frankfurt/ Oder gebracht. Als sie am 30. Oktober dort ankamen, war die Grenze von polnischer Seite längst abgeriegelt und die Aktion abgebrochen worden. Auf eigene Kosten kehrten sie nach Kiel zurück. [26]

Nur wenig später, vom 9. auf den 10. November, fand im gesamten Deutschen Reich die berüchtigte 'Kristallnacht' statt. In Kiel zündete der nationalsozialistische Mob die Synagoge an und verletzte durch gezielte Schüsse zwei angesehene Mitglieder der jüdischen Gemeinde lebensgefährlich. Außerdem zerstörte er etwa 15 jüdische Geschäfte sowie mindestens vier Privatwohnungen. Die Wohnung und das Geschäft der Familie Goldberg blieben unversehrt. Allerdings wurden Benjamin Goldberg und sein ältester Sohn Jakob in der Nacht festgenommen und zusammen mit 46 anderen Kieler Juden in das Polizeigefängnis in der Gartenstraße eingeliefert, um von dort in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin überführt zu werden.

Da die Verhaftungsaktion sich laut Anordnung von oben auf die 'reichsdeutschen' Juden hatte beschränken sollen, ließ man sie und 12 weitere polnische Juden zwar bald wieder frei, doch war ihnen jetzt deutlich bewußt, wie lebensbedrohlich die Situation in Deutschland bereits war. Regina und Benjamin Goldberg erreichten, daß der 17jährige Jakob im Dezember 1938 mit einem Kindertransport ausreisen konnte. Für sich selbst und ihre drei jüngeren Söhne fanden sie hingegen keine Auswanderungsmöglichkeit. [27]

Am 23. Mai 1939 erhielten alle noch in Kiel lebenden polnischen Juden vom Polizeipräsidenten die Aufforderung, "das Reichsgebiet bis spätestens 15. Juni 1939 zu verlassen." Andernfalls würden sie, so der Wortlaut des Schreibens, "zum Vollzug der Abschiebungshaft in ein Konzentrationslager eingewiesen". [28] Bepackt mit wenigen Koffern, flohen Goldbergs Anfang Juni nach Aachen, wo sie Schmuggler bezahlten, die die fünfköpfige Familie illegal über die Grenze zu Verwandten nach Belgien brachten. In der Zwischenzeit hatte Jakob Goldberg erreicht, daß sein Bruder David ihm nach Großbritannien folgen durfte. David verließ Belgien im August 1939, knapp zehn Monate vor dem deutschen Überfall auf dieses Land. [29]

"Tell him that he is not in Germany, here a policeman is your friend!"
Erste Erfahrungen in Großbritannien

Während David Goldberg vom belgischen Ostende aus die britischen Inseln erreichte, wurden die Kinder aus Deutschland und Österreich in der Regel mit der Bahn bis Hoek van Holland gebracht, wo sie die Fähre nach Harwich bestiegen. Da die Transporte nach dem Willen der Nationalsozialisten möglichst unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich gehen sollten, war es den Eltern polizeilich verboten worden, ihre Kinder auf den Bahnsteig zu begleiten. Der Abschied mußte bereits im Wartesaal stattfinden. Bei vielen war es ein Abschied für immer.

Im Zug versuchten jüdische Helfer - Sozialarbeiter, Lehrer und Jugendgruppenleiter - den Mädchen und Jungen in dieser traurigen Situation beizustehen. "Nevertheless there were terrible scenes", heißt es in den Erinnerungen von Norbert Wollheim, der zu den Organisatoren gehörte. [30] An der Grenze mußten Kinder wie Helfer die Durchsuchung ihres Gepäcks und häufig genug Schikanen durch die Gestapo über sich ergehen lassen. Erst als sie Deutschland hinter sich gelassen hatten und von holländischen Freiwilligen mit Getränken, Butterbroten und Süßigkeiten willkommen geheißen wurden, wich die Anspannung ein wenig. "Wir haben spontan angefangen, die Hatikwa zu singen, die jüdische Nationalhymne", so Henry Glanz rückblickend. [31]

In Harwich angekommen, wurden die Kinder und Jugendlichen von Mitarbeitern des 'Refugee Children's Movement' in Empfang genommen und ins benachbarte Dovercourt in eine leerstehende Feriensiedlung gebracht, wo sie vorübergehend wohnen sollten, bis ein neues Zuhause für sie gefunden worden war. Aufgerüttelt durch Berichte in Presse und Rundfunk, hatten sich viele Engländer, Juden wie Christen, zur Aufnahme von Flüchtlingskindern bereit erklärt. Trotzdem konnten längst nicht alle Neuankömmlinge an Pflegefamilien vermittelt werden. Insbesondere die älteren Mädchen und Jungen kamen deshalb zumeist in Heime, die sich in den verschiedensten Teilen Großbritanniens befanden und von lokalen Flüchtlingskomitees unterhalten und betreut wurden. [32]

Die jüdische Gemeinde der Industriestadt Leeds, nach London und Manchester die drittgrößte jüdische Gemeinde in Großbritannien, hatte zwei Heime für Flüchtlingskinder eingerichtet, eines für Mädchen im benachbarten Harrogate und eines für Jungen in der Stadt selbst. [33] Im Heim für Jungen, in dem seit Anfang 1939 bereits Davids älterer Bruder Jakob lebte, fand auch er selbst im August 1939 Aufnahme. Die erste Zeit fühlte sich David recht wohl in der neuen Umgebung. Dies verdankte er nicht zuletzt Philipp Moddel, einem Lehrer aus Hamburg-Altona, der anderen Flüchtlingskindern ebenfalls sehr positiv in Erinnerung geblieben ist. "Mr. Moddel [...] acted as our housemaster but really he was more of a father, friend, educator and choirmaster all in one", schreibt Davids Freund Gideon Behrendt, ein gebürtiger Berliner, der heute in Israel lebt. [34]

Nach Beginn des Krieges, im Frühsommer 1940, fand allerdings ein Wechsel in der Leitung des Heims statt. Er ist wohl darauf zurückzuführen, daß die britische Regierung aus Furcht vor der Einschleusung feindlicher Spione die Internierung der Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich angeordnet hatte, eine Maßnahme, von der auch der mittlerweile 19jährige Jakob Goldberg betroffen war. Mit den Personen veränderte sich die Atmosphäre: Das einst so freundliche Heim wurde zu einer Anstalt, so Gideon Behrendt, "that can best be compared to the orphanage described by Dickens in Oliver Twist." [35]

David Goldberg erlernte zu diesem Zeitpunkt in Leeds, dem Zentrum der Bekleidungsindustrie, den Beruf des Büglers. Eigentlich hatte er Automechaniker werden wollen, als Ausländer war ihm dieser Beruf jedoch verschlossen. An ein hohes Maß von Selbständigkeit gewöhnt, war der 16jährige nicht bereit, sich dem neuen Regime im Heim zu beugen. Er ging nach London, wohnte dort zusammen mit anderen Flüchtlingen bei einer älteren Dame zur Untermiete und fand ungeachtet nur geringer Englischkenntnisse eine Anstellung als Kellner in einem Restaurant von 'Lyons Corner House'. Dort sei es nicht schlecht gewesen, meint er rückblickend, aber er habe doch etwas anderes gewollt, nämlich mitkämpfen gegen das nationalsozialistische Deutschland. Nach seinem 18. Geburtstag meldete sich David deshalb freiwillig zum englischen Militär. Im März 1942 wurde er in das 'Pioneer Corps' aufgenommen, damals die einzige Einheit der Armee, die Flüchtlingen bereits offenstand. Er gehörte ihm bis zu seiner Demobilisierung im Dezember 1946 an. [36]

Abraham Becker und Henry Glanz setzten in Großbritannien ihre Vorbereitung auf Palästina fort. Henry kam nach Gwrych Castle, ein an der Irischen See gelegenes altes Burgschloß im Norden von Wales, wo der Bachad Anfang September 1939 für etwa 200 Jungen und Mädchen eine Hachschara einrichtete. Das von Lord Dundonald zur Verfügung gestellte Schloß hatte über 15 Jahre leer gestanden und verfügte weder über elektrisches Licht noch über sanitäre Anlagen. Die ersten Bänke, Tische und Küchengeräte spendete die Baptisten-Gemeinde des nahegelegenen Städtchens Abergele; für weiteres Mobiliar sorgten die Flüchtlingskomitees in London.

Die Kinder wurden im Schloß in jüdischen, englischen und allgemeinen Fächern unterrichtet und darüber hinaus auf Bauernhöfen in der Umgebung in die Landwirtschaft eingeführt. Die primitiven Bedingungen scheinen ihnen wenig ausgemacht zu haben. Sie erinnern sich an das kameradschaftliche Zusammenleben als Kibbuzniks und an die freundliche Aufnahme, die sie bei der einheimischen Bevölkerung fanden, auch wenn die Verständigung bisweilen schwerfiel. [37]

Anfangs waren viele Kinder allerdings noch sehr eingeschüchtert und verängstigt. Dies lag sicher zum Teil an der fremden Umgebung und Sprache, mehr noch aber an den Erfahrungen, die sie vor ihrer Flucht gemacht hatten. "Nach einigen Wochen in Wales gingen vier von uns in Abergele spazieren", erinnert sich Henry Glanz. "Zwei Jungen guckten in ein Schaufenster. Ein Polizist ging auf sie zu [...], und die beiden rannten weg. Natürlich rannte der Polizist nach und schnappte einen." Henry, der durch seine schulische Vorbildung bereits Englischkenntnisse hatte, fungierte als Dolmetscher. Warum der Junge weggelaufen sei, habe der Polizist ihn gefragt. Wenn in Deutschland ein Polizist auf jüdische Kinder zugehe, bedeute das Ärger, habe er ihm geantwortet. Der Polizist sei den Tränen nahe gewesen: "Tell him that he is not in Germany, here a policeman is your friend!" Einige Tage später seien dann mehrere Polizisten nach Gwrych Castle gekommen, um mit ihnen über die britische Polizei zu sprechen, "bei Tee und Kuchen". [38]

Ab Mai 1940 war infolge des Kriegszustandes eine Einwanderung nach Palästina nicht mehr möglich. Als im April 1941 die Gruppen in Gwrych Castle aufgelöst und die Jugendlichen zumeist auf andere Hachschara-Lager in Großbritannien verteilt wurden, fuhr Henry zu seiner Schwester, die er fast zwei Jahre nicht mehr gesehen hatte. Gisela Glanz war als 11jährige nach London gekommen. Von den jüdischen Hilfsorganisationen wurde sie dort erst in einem Heim, dann bei einer jüdischen Familie untergebracht. Sie besuchte weiter die Schule und erlernte anschließend den Beruf der Modistin. Der 17jährige Henry fand ebenfalls eine Beschäftigung in der Hauptstadt: Er trug als Arbeiter in einer Fabrik für Maschinengewehre zu den britischen Kriegsanstrengungen bei. [39]

Abraham Becker kam Anfang Juli 1939 nach Nordirland in das an der Küste gelegene Millisle. Unterstützt durch die jüdische Gemeinde von Belfast unterhielt der Bachad dort eine Lehrfarm, die im Unterschied zu anderen Hachschara-Zentren bis in die Nachkriegszeit bestanden hat. Während die kleineren Kinder am Ort die Schule besuchten, wurden Abraham und die übrigen Jungen seines Alters in Gemüseanbau, Viehzucht und Milchwirtschaft ausgebildet und anschließend gegen Lohn als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt. Wie andere Flüchtlinge, die in der Landwirtschaft tätig waren, trugen sie damit zur Lebensmittelversorgung ihres Gastlandes bei, leisteten also kriegswichtige Arbeit an der Heimatfront. [40]

Im Unterschied zu Gwrych Castle arbeiteten die aus Deutschland und Österreich stammenden Jugendlichen in Millisle nicht bei Bauern, sondern auf der gepachteten Farm. Sie blieben deshalb mehr unter sich und hatten kaum Kontakt zu den Einheimischen. Abraham, der auf der Mittelschule in Kiel wohl Französisch, aber kein Englisch gelernt hatte, kann sich nicht erinnern, in den ersten zwei Jahren etwas anderes als Deutsch gesprochen zu haben. Dann fand er unter den Flüchtlingsmädchen eine Freundin, die bereits Englisch konnte. "Wir haben zusammen ein Buch gelesen, a book about China", erzählt er. "Den ersten Tag habe ich eine Linie gelesen, und jedes Wort, was ich nicht verstanden hab, hab ich nachgeguckt im Dictionary und abgeschrieben. Den nächsten Tag hab ich schon drei Linien gelernt - und so jeden Tag. Das ist der einzige Weg, wie man kann lernen eine Sprache, ein bißchen jeden Tag. Und dann you must use it, sonst tut man das vergessen." [41]

Abraham Becker lernte auf der Farm auch Erna Horn kennen, seine zukünftige Frau. Die gebürtige Wienerin war als 15jährige im Dezember 1938 mit einem Kindertransport aus Österreich gekommen und wurde wie die anderen Mädchen in Hauswirtschaft eingewiesen. Im Januar 1944 heirateten Erna und Abraham in Millisle. In den folgenden Jahren schufen sie sich gemeinsam das, was sie beide hatten lange vermissen müssen: eine Familie, Wärme und Geborgenheit. [42]

Nur David sah seine Eltern wieder

Als der Krieg dem Ende zuging, hatten Henry Glanz, Abraham Becker und David Goldberg schon jahrelang keine Nachricht mehr von ihren Familien im nationalsozialistisch besetzten Europa erhalten. Nur David sah seine Eltern wieder. Benjamin und Regina Goldberg hatten sich im Sommer 1942, als die Deportationen der Juden aus Brüssel begannen, dank der Hilfe von Belgiern verstecken können. Zusammen mit ihrem jüngsten Sohn Salo verbrachten sie 26 Monate auf den verschiedensten Dachböden der Stadt. Nach der Befreiung durch die Alliierten im September 1944 war Gideon Behrendt, Davids Freund aus dem Flüchtlingskinderheim in Leeds, als britischer Soldat in Brüssel stationiert. Zufällig hörte er auf der Straße den Namen 'Goldberg'. "Und durch ihn sind wir wieder zusammengekommen", erzählt David. "Damals wußte ich doch überhaupt nicht, ob die Eltern leben." [43]

Feiwel und Rosa Becker hatten wie alle polnischen Juden in Kiel im Sommer 1939 den Ausweisungsbefehl aus dem Deutschen Reich erhalten. Mit ihrem gemeinsamen Sohn, dem neunjährigen Julius, waren sie im Juli desselben Jahres zu Verwandten von Rosa nach Zurawno südlich von Lemberg geflohen. Die letzte Karte, die sie von dort an ihren Sohn Simcha in Palästina schrieben, datiert vom 25. Februar 1941. Am 5. September 1942 wurden 500 Juden aus Zurawno durch die deutsche Besatzungsmacht in das Vernichtungslager Belzec deportiert und dort wenige Stunden nach ihrem Eintreffen ermordet. Die Todesdaten von Feiwel, Rosa und Julius Becker sind unbekannt. Sie gelten "als am 8. Mai 1945 verstorben". [44]

Ein Brief ist auch das letzte Lebenszeichen, das Gisela und Henry Glanz von ihren Eltern und ihrem Bruder haben. Esther Glanz und ihr zehnjähriger Sohn Joachim waren am 13. September 1939 zusammen mit anderen sich noch in Kiel aufhaltenden Ostjuden, vor allem Frauen und Kindern, nach Leipzig deportiert und dort in einer zu einem Sammellager umfunktionierten jüdischen Schule untergebracht worden. Mendel Glanz war zu diesem Zeitpunkt bereits nach Belgien geflüchtet, wo er sich erfolglos um ein Einreisevisum für seine Familie in die USA bemühte. "Meine geliebten teuren Kinder", schrieb Esther am 21. Oktober 1941 aus Leipzig. "Haltet stets in Liebe und Treue [...] zusammen, und Gott wird Euch segnen. Wir beide mit dem l[ieben] Joachim sind Gottlob gesund. Ich arbeite in einer Kirschnerei und verdiene für unseren Lebensunterhalt. Achim geht zur Schule [...]. Papa schreibt oft und möchte, wir sollen zu ihm nach Brüssel kommen, aber es geht leider nicht. Lebet wohl, meine innigst geliebten Kinder, wir wünschen Euch alles Gute und bitten den l[ieben] Gott um ein baldiges Wiedersehen." Esther und Joachim Glanz wurden im Mai 1942 nach Belzec deportiert, Mendel Glanz im August 1942 nach Auschwitz. [45]

"The rest is all memories now, and that we have to live with."
Neue Wurzeln in Großbritannien

Großbritannien sollte für die Flüchtlingskinder eigentlich nur eine vorübergehende Zufluchtstätte, ein Transitland, sein. Nach dem Krieg wanderte ein kleinerer Teil nach Kanada, Australien oder in die USA weiter; eine größere Gruppe emigrierte nach Israel; einige wenige gingen nach Deutschland zurück. Die Mehrheit hingegen blieb im britischen Königreich, was nicht zuletzt durch die Liberalisierung der Einbürgerungspraxis im Jahr 1946 ermöglicht wurde. [46]

Die britische Staatsbürgerschaft nahmen auch Henry Glanz und Abraham Becker an, obwohl sie zur Vorbereitung auf Palästina nach Großbritannien gekommen waren. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß es in den ersten Nachkriegsjahren kaum möglich war, auf legalem Wege nach Palästina einzureisen. [47] Dies änderte sich erst mit der Gründung des Staates Israel im Mai 1948. Jetzt verließen auch viele von Abrahams Freunden aus Millisle Großbritannien, um sich am Aufbau religiöser Kibbuzim in Israel zu beteiligen. Das Ehepaar Becker folgte ihnen nicht. Dies sei aber keine Entscheidung gegen Israel, sondern eher ein Zufall gewesen, meint Abraham rückblickend. In Belfast sei die Stelle des Synagogendieners vakant gewesen. Man habe ihn gefragt, ob er die Stelle wolle, und er habe zugesagt. "Und dann", fügt er hinzu, "naturally, one thing leads to another." [48]

Abraham und Erna Becker blieben bis 1960 in Belfast, wo auch ihre beiden Töchter geboren wurden. Dann zogen sie nach London. Abraham wurde Angestellter der 'United Synagogue'. Er arbeitete zunächst wiederum als Synagogendiener. Später wurde er Sekretär der Synagoge in Finchley, einem mittelständischen Stadtteil mit hohem jüdischem Bevölkerungsanteil im Nordwesten von London, wo das Ehepaar auch wohnt. Heute ist Abraham zwar pensioniert, gegen ein symbolisches Gehalt führt er aber noch das Sekretariat der unabhängigen 'Commercial Road Talmud Torah Synagogue', einer ursprünglich im Londoner East End, heute in Stamford Hill ansässigen jüdisch-orthodoxen Gemeinde. Er benötigt anderthalb Stunden, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen, aber das stört ihn nicht. "It's for poor people", sagt der 76jährige, "it's a mizwe." [49]

Die Geschwister Glanz wollten nach dem Krieg eigentlich nach Australien auswandern, wo seit 1940 ein Onkel von ihnen lebte. Als sie dessen Einladung erhielten, konnte allerdings nur Gisela fahren. [50] Henry war im September 1945 als Angehöriger der amerikanischen Militärverwaltung nach München gegangen und dort bis Mai 1947 in der Postzensur tätig. Es war bis heute sein letzter Aufenthalt in Deutschland. Zurück in England, lernte er die 21jährige Roberta Cooper kennen, die als Tochter ukrainischer jüdischer Einwanderer im Londoner East End geboren und aufgewachsen war. "Ich oder Australien", habe sie ihm gesagt, so Henry, "Australien ist zu weit von Mutti!" Der 23jährige entschied sich für Bobbie. Sie heirateten 1949.

Henry arbeitete zunächst als Kellner, dann in einer Fabrik für Hausschuhe. Bobbie war erst als Näherin, später bei verschiedenen Firmen als Bürokraft beschäftigt. Heute sind beide Rentner. Sie engagieren sich aber ehrenamtlich auf sozialem Gebiet: Bobbie arbeitet zwei Tage in der Woche in einer überkonfessionellen städtischen Wohlfahrtseinrichtung, Henry fährt 'Essen auf Rädern' für den 'Jewish Senior Citizen Club' aus. Ihre Söhne leben nicht in Großbritannien. Der ältere wohnt aus beruflichen Gründen in Rotterdam, der jüngere hat nach Argentinien geheiratet. Beide hätten gern ihre Eltern bei sich. Aber Henry und Bobbie wollen nicht weg. Sie fühlen sich nach wie vor im East End zu Hause, auch wenn in dem einst sehr jüdischen Stadtteil heute vor allem neue Einwanderer, insbesondere aus Bangladesh, leben. [51]

In eine ostjüdisch-britische Familie heiratete auch David Goldberg ein. 1943 war er als Soldat im schottischen Penicuik stationiert. Während der Pessach-Woche luden ihn Percy und Minnie Myerthall ins benachbarte Edinburgh in ihr Haus zum Seder-Abend ein. Hier lernte er Ray kennen, die Tochter des Ehepaars. Die beiden 19jährigen heirateten schon nach wenigen Wochen. Ihr erster Sohn wurde 1944 geboren; eine Tochter und ein zweiter Sohn folgten in späteren Jahren.

Nach seiner Demobilisierung hatte David eigentlich eine Stelle als Bügler annehmen wollen. Als sich auf Anhieb keine solche fand, entschied er kurzerhand, sich selbständig zu machen. Er mietete ein Ladenlokal, das sich in einer Seitenstraße am Bühneneingang des alten 'Empire Theatre' von Edinburgh befand. Seine Dienste waren gefragt. Bekannte Schauspieler wie Judy Garland und Laurel und Hardy zählten zu seinen Kunden. Die Idee für den Firmennamen hatte seine Frau. "You come from the continent", habe sie gesagt, "call it 'Continental Cleaner & Valet Service' then." [52]

David Goldberg führte sein Geschäft 50 Jahre lang bis zu seinem 73. Lebensjahr. Seit Juni 1997 ist er Rentner. Seine Frau starb 1992. David reist gern. In Deutschland ist er allerdings nur einmal wieder gewesen, kurz nach dem Krieg als Übersetzer beim Nürnberger Prozeß. Nach Israel, wohin seine mittlerweile verstorbenen Eltern 1949 auswanderten, wo zudem sein jüngster Bruder und viele Verwandte wohnen, fährt er dagegen oft und gern. Dort zu leben, kann er sich jedoch nicht vorstellen. "Ich bin schon eingewöhnt hier, über 50 Jahre eingewöhnt, das kann man nicht einfach vergessen", sagt er und spricht damit aus, was auch Henry Glanz und Abraham Becker empfinden. [53] Als David nach Großbritannien kam, konnte er kein Wort Englisch. Ohne Gelegenheit zu weiterem Schulbesuch erlernte er das Englische im Alltag nebenbei. Heute fühlt er sich wohl in der Sprache seines zweiten Heimatlandes, dem er sein Leben und eine neue Existenz verdankt. "I got married, I brought up three children, I own my own house, Iíve got a motorcar. I can only eat with one knife, fork, and spoon! - What more do I want?" so seine Bilanz. "The rest is all memories now, and that we have to live with."

Anmerkungen

1. Marion Berghahn: Continental Britons. German-Jewish Refugees from Nazi Germany, Oxford/ Hamburg/New York 1988, S. 75; Francis L. Carsten: Deutsche Emigranten in Großbritannien 1933-1945, in: Gerhard Hirschfeld (Hrsg.): Exil in Großbritannien. Zur Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland, Stuttgart 1983, S. 138-154, 138; zu Hintergrund und Verlauf der britischen Einwanderungspolitik siehe auch Bernard Wasserstein: Britische Regierungen und die deutsche Emigration 1933-1945, ebd., S. 44-61; A. J. Sherman: Island Refuge. Britain and the Refugees from the Third Reich, London 1973.

2. Ronald Stent: Jewish Refugee Organisations, in: Werner E. Mosse u. a. (Hrsg.): Second Chance: Two Centuries of German-speaking Jews in the United Kingdom, Tübingen 1991, S. 579-598, 590f.; ausführlich zur Geschichte der Kindertransporte siehe Karen Gershon (Hrsg.): Wir kamen als Kinder. Eine kollektive Autobiografie, Frankfurt/Main 1988; Barry Turner: ... and the Policeman Smiled, London 1990 (deutsche Fassung: Kindertransport: eine beispiellose Rettungsaktion, Gerlingen 1994); Bertha Leverton/ Shmuel Lowensohn (Hrsg.): I Came Alone. The Stories of the Kindertransports, Lewes/Sussex 1990 (stark gekürzte deutsche Fassung: Rebekka Göpfert (Hrsg.): Ich kam allein. Die Rettung von zehntausend jüdischen Kindern nach England 1938/39, München 1994).

3. Diese Angabe basiert auf dem IZRG-Datenpool zu Juden in Schleswig-Holstein (im folgenden zit. als 'JSH'), den Erich Koch dankenswerterweise aufgebaut hat; allgemein zur Auswanderung der schleswig-holsteinischen Juden während der NS-Zeit siehe Gerhard Paul: "Nur Shanghai war noch offen." Der jüdische Exodus aus Schleswig-Holstein (1933-1941), in: Gerhard Paul/ Miriam Gillis-Carlebach (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz. Zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918-1998), Neumünster 1998, S. 437-458; zur Rettung schleswig-holsteinischer Juden durch die Kindertransporte siehe m. W. bislang nur Bernd Philipsen: Der 9./10. November 1938 in Kappeln. Die 'Reichskristallnacht' in einer schleswig-holsteinischen Kleinstadt, in: Grenzfriedenshefte (1988), S. 153-161, 159ff. (Erik, Kurt u. John Eichwald/Johnny Blunt, Kappeln); Turner, ... and the Policeman Smiled, S. 11f., 13f., 45, 55, 78, 83, 221, 274f. (Johnny Blunt); Jenny Kreyssig: Nur ein Photo von den Eltern - Mit dem jüdischenKindertransport nach England, in: Wolfgang Benz (Hrsg.): Das Exil der kleinen Leute. Alltagserfahrung deutscher Juden in der Emigration, München 1991, S. 203-215, 209ff. (Johnny Blunt); Leverton/Lowensohn: I Came Alone, S. 206f. (Peter Mansbacher, Lübeck); Jüdische Gemeinde Hamburg (Hrsg.): Zwischen gestern und heute. Erinnerungen jüdischen Lebens ehemaliger Schleswig-Holsteiner, zusammengestellt u. eingeleitet von Gerd Stolz, Heide 1991, S. 97-109 (Peter Mansbacher), S. 89-92 (Alfredo u. Marion Levy, Friedrichstadt).

4. Interviews mit Abraham Becker (London) v. 7.10.1997, Henry Glanz (London) v. 8.10.1997, David Goldberg (Edinburgh) v. 12. u. 13.10.1997. Die Interviews und Recherchen stehen im Kontext des von der Volkswagen-Stiftung finanzierten Forschungsprojekts "Zur Sozialgeschichte des Terrors am Beispiel der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Schleswig-Holsteins 1933-1945", das seit August 1996 von Prof. Gerhard Paul, Erich Koch und mir am IZRG in Schleswig durchgeführt wird; siehe meine Vorstellung des Forschungsprojekts in: Informationen zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte 31 (Juni 1997), S. 69-72.

5. 'Jüdische Besucher im Rathaus: Nach 56 Jahren wieder in Kiel', in: Kieler Nachrichten v. 13.6.1990.

6. Feiwel Becker (geb. 1892 in Baranow) und seine Frau Bluma (geb. 1894 in Zolynia) traten 1920 der Kieler jüdischen Gemeinde bei; Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem (im folgenden zit. als 'CAHJP'), Best. Arthur Posner, P 40/12: Israelit. Gemeinde Kiel, Gemeindeliste 1935.

7. Landesarchiv Schleswig-Holstein, Schleswig (im folgenden zit. als 'LAS'), Abt. 761/16666 u. 17421; allgemein zur Einwanderung und Lage der Ostjuden siehe Trude Maurer: Ostjuden in Deutschland 1918-1933, Hamburg 1986; speziell zu Kiel siehe Bettina Goldberg: "... und vieles bleibt ungesagt." Die Israelitische Gemeinde zu Kiel vor und nach 1933. Versuch einer Annäherung, in: Paul/Gillis-Carlebach: Menora und Hakenkreuz, S. 49-66.

8. Interview mit Abraham Becker. Rosa Sperber war 1899 in Zurawno geboren worden; LAS, Abt. 761/ 16666.

9. Interview mit Abraham Becker; nach seinem Abgang von der Mittelschule besuchte er die 6. Knaben-Volksschule in der Gerhardstraße.

10. Simcha Becker: ... zu Hause?? in: Jüdische Gemeinde Hamburg: Zwischen gestern und heute, S. 31-33, 31f. Simcha besuchte die 2. Knaben-Volksschule in der Gutenbergstraße; Interview mit Simcha Becker (Givataim) v. 18.3.1997.

11. CAHJP, P 40/12; IZRG-Datenpool JSH; zum 'Misrachi' in Kiel, siehe Goldberg, "... und vieles bleibt ungesagt.", S. 56f. u.65.

12. Interview mit Simcha Becker; IZRG-Datenpool JSH; LAS, Abt. 761/17421; zur 'Ahawah' siehe Regina Scheer: AHAWAH. Das vergessene Haus. Spurensuche in der Berliner Auguststraße, Berlin/Weimar 21997; zur Auswanderung schleswig-holsteinischer Juden nach Palästina siehe Bettina Goldberg: "... froh, der Hölle Europa entkommen zu sein." Der schwierige Neuanfang in Palästina, in: Paul/Gillis-Carlebach: Menora und Hakenkreuz, S. 623-644.

13. Osias (Oskar) Becker war 1925 in Kiel geboren worden; IZRG-Archiv, Slg. Hauschildt-Staff 11; LAS, Abt. 761/17421; Interviews mit Abraham u. Simcha Becker. Zur Jugend-Alija siehe Scholem Adler-Rudel: Jüdische Selbsthilfe unter dem Naziregime 1933-1939. Im Spiegel der Berichte der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Tübingen 1974, S. 97ff.; Ruth Röcher: Die jüdische Schule im nationalsozialistischen Deutschland 1933-1942, Frankfurt/Main 1992, S. 192ff.; zur Beschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina siehe Juliane Wetzel: Auswanderung aus Deutschland, in: Wolfgang Benz (Hrsg.): Die Juden in Deutschland 1933-1945. Leben unter nationalsozialistischer Herrschaft, München 1988, S. 413-498, 451ff. u. 472ff.

14. Interview mit Abraham Becker; allgemein zur 'Hachschara' (hebräisch für 'Vorbereitung') siehe Wetzel: Auswanderung aus Deutschland, S. 454ff.; zur religiös-orthodoxen Hachschara-Bewegung des Bachad siehe Bettina Götze: Rathenow, in: Irene Dieckmann/Julius H. Schoeps (Hrsg.): Wegweiser durch das jüdische Brandenburg, Berlin 1995, S. 220-232, 230ff.; Mosche Unna: Die Anfänge der religiösen Kibbuzbewegung in Deutschland, in: Bulletin des Leo Baeck Instituts 78 (1987), S. 71-121; Joseph Walk: The Torah va'Avodah Movement in Germany, in: Leo Baeck Institute Year Book VI (1961), S. 236-256.

15. Interview mit Abraham Becker; ausführlich zur 'Auslands-Hachschara' siehe Adler-Rudel: Jüdische Selbsthilfe unter dem Naziregime, S. 69f., 114 u. 215; Perez Leshem: Straße zur Rettung 1933-1939. Aus Deutschland vertrieben - bereitet sich jüdische Jugend auf Palästina vor, Tel Aviv 1973.

16. Interview mit Henry Glanz; IZRG-Datenpool JSH. Mendel Glanz war 1896 in Sieniewa, seine Frau Esther 1898 in Zolynia geboren worden; ebd.

17. Interview mit Henry Glanz; IZRG-Archiv, Slg. Hauschildt-Staff 11; zur Boykottpropaganda in Kiel und ihren im Einzelfall sehr unterschiedlichen Auswirkungen siehe Bettina Goldberg: "Am preiswertesten und am besten bei Gerstel". Die Geschichte einer Mützenfabrik und der Vertreibung ihrer Besitzer, in: Paul/Gillis-Carlebach: Menora und Hakenkreuz, S. 245-263, 252ff.

18. Interview mit Henry Glanz. Johannes Hagenah (geb. 1886 in Stolk) war eigentlich Volksschullehrer, aber zum 1. April 1935 an die Mittelschule versetzt worden; er starb 1975 und wurde in Fleckeby beerdigt; tel. Auskunft Dr. Wolf Hagenah (Dortmund) v. 29.5.1998; LAS, Abt. 309/31022: Volksschulen Kiel 1935-1936.

19. Interview mit Henry Glanz. Daß jüdische Eltern unter Verweis auf ihre außerdeutsche Staatsangehörigkeit den Verbleib ihres Kindes auf einer 'deutschen' Schule nach dem 15.11.1938 durchsetzen konnten, ist m. W. in der Literatur bislang nicht belegt. In Kiel scheint es einen vergleichbaren Fall an der 1. Mädchen-Mittelschule gegeben zu haben. Jedenfalls heißt es in deren Jahresbericht für 1938/39: "Die 3 jüdischen Schülerinnen waren nicht Staatsangehörige des Deutschen Reiches, eine war staatenlos, zwei waren Polen. Zwei dieser Juden traten in die jüdischen Sammelklassen über"; LAS, Abt. 309/31028: Mittelschulen Kiel 1937-1944; ausführlich zu den "jüdischen Sammelklassen" siehe Gerhard Paul/Erich Koch: Klassenfoto 1939. Das Schicksal der Schüler und Lehrer der Jüdischen Volksschule in Kiel, in: Paul/ Gillis-Carlebach: Menora und Hakenkreuz, S. 481-490.

20. Interview mit Henry Glanz; siehe auch Wasserstein: Britische Regierungen und die deutsche Emigration, S. 57. Gisela Glanz war 1927 in Kiel geboren worden; IZRG-Datenpool JSH.

21. Interviews mit Henry Glanz u. David Goldberg.

22. Interview mit David Goldberg. Regina Landesmann (geb. 1898 in Zolynia) und Benjamin Goldberg (geb. 1890 in Sedziszow) waren 1918 nach Kiel gekommen und hatten dort 1919 geheiratet; außer David hatten sie drei weitere Söhne: Jakob (geb. 1921), Arthur (geb. 1926) und Salo (geb. 1934); LAS, Abt. 761/ 11676 u. 18906, 352 (Kiel)/14457.

23. Ebd.; siehe auch Goldberg: "Am preiswertesten und am besten bei Gerstel", S. 252ff.

24. Interview mit David Goldberg; zur weitverbreiteten Unterschätzung der nationalsozialistischen Gefahr siehe Wolfgang Benz: Das Exil der kleinen Leute, in: ders.: Das Exil der kleinen Leute, S. 7-37, 13ff.

25. Interview mit David Goldberg; zur 'Polen-Aktion' siehe Trude Maurer: Abschiebung und Attentat. Die Ausweisung der polnischen Juden und der Vorwand für die 'Kristallnacht', in: Walter H. Pehle (Hrsg.): Der Judenpogrom 1938. Von der 'Reichskristallnacht' zum Völkermord, Frankfurt/Main 1988, S. 52-73; Sybil Milton: Menschen zwischen Grenzen: Die Polenausweisung 1938, in: Menora. Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte (1990), S. 184-206; ausführlicher zu Kiel siehe Dietrich Hauschildt-Staff: Novemberpogrom. Zur Geschichte der Kieler Juden im Oktober/ November 1938, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 74 (1988), S. 129-172, 135ff.; Goldberg: "Am preiswertesten und am besten bei Gerstel", S. 258f.

26. Hauschildt-Staff: Novemberpogrom, S. 136; Interviews mit Abraham Becker u. Henry Glanz.

27. Interview mit David Goldberg; LAS, Abt. 623/11: Gefangenenbücher Polizeigefängnis Kiel; ausführlich zu den Zerstörungen, Verhaftungen und Attentaten in Kiel siehe Hauschildt-Staff: Novemberpogrom, S. 137ff.; Walter Niebergall: Goethestraße 13 - Zur Geschichte der Kieler Synagoge, in: VVK-Pressestelle (Hrsg.): Dokumentation zur Geschichte der Kieler Synagoge und des Mahnmales an der Goethestraße 13, Kiel 1992, S. 7-31.

28. LAS, Abt. 761/8348 u. 18906.

29. Interview mit David Goldberg; LAS, Abt. 352 (Kiel)/14457; siehe auch Hans-Dieter Arntz: Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet, Euskirchen 1990.

30. Norbert Wollheim, in: Leverton/Lowensohn: I Came Alone, S. 359-361, 360; Wollheim (geb. 1913 in Berlin) überlebte Auschwitz und war von 1945 bis zu seiner Auswanderung in die USA im Jahr 1951 führend in der Jüdischen Gemeinde Lübeck und im Verband der Jüdischen Gemeinden Nordwestdeutschlands tätig; Norbert Wollheim: Jüdische Selbstverwaltung in der britischen Zone, in: Michael Brenner: Nach dem Holocaust. Juden in Deutschland 1945-1950, München 1995, S. 141-147.

31. Interview mit Henry Glanz; siehe auch Turner: ... and the Policeman Smiled, S. 35ff. u. 97.

32. Ebd., S. 63ff., 107ff. u. 156ff.; siehe auch Tent: Jewish Refugee Organisations, S. 589ff.

33. Sessi Jacobovitz, in: Leverton/Lowensohn: I Came Alone, S. 156-159; zur jüdischen Gemeinde in Leeds siehe E. Krausz: Leeds Jewry: Its History and Social Structure, Cambridge 1964; Louis Saipe: A History of the Jews of Leeds, Leeds 1985.

34. Gideon Behrendt, in: Leverton/Lowensohn: I Came Alone, S. 30-32, 31; ähnlich äußerte sich der gebürtige Hamburger Jack Hammond (Edinburgh), der im Dezember 1938 nach Leeds kam, über den ehemaligen Lehrer der Israelitischen Gemeindeschule in Altona, der später in die USA weiter wanderte; Interview v. 13.10.1997.

35. Gideon Behrendt, S. 31; siehe auch Gershon: Wir kamen als Kinder, S. 98; Turner: ... and the Policeman Smiled, S. 193; zur Internierung der Flüchtlinge siehe Ronald Stent: A Bespattered Page? The Internment of 'His Majesty's Most Loyal Enemy Aliens', London 1980. Jakob Goldberg war von Juni 1940 bis März 1941 auf der Isle of Man interniert, anschliessend arbeitete er als Tischler in einer Flugzeugfabrik in Coventry; von August 1944 bis Februar 1947 gehörte er der englischen Armee an, zuletzt als Bildungsinstrukteur; als einziger seiner Familie kehrte er nach Deutschland zurück, wo er 1982 in Essen verstarb; tel. Auskunft Helgard Goldberg (Essen) v. 20.5.1998.

36. Interview mit David Goldberg; Soldierís Release Book, Privatbesitz Goldberg (Edinburgh); zu den Berufs- und Arbeitsmöglichkeiten der Flüchtlingskinder und zum 'Pioneer Corps' siehe Turner: ... and the Policeman Smiled, S. 178ff.

37. Interview mit Henry Glanz; Leverton/Lowensohn: I Came Alone, S. 76ff., 368ff.; 389f.; Turner: ... and the Policeman Smiled, S. 175ff.; Leshem: Straße zur Rettung, S. 201ff.

38. Schreiben Henry Glanz (London) v. 2.12.1997 an die Verfasserin.

39. Interview mit Henry Glanz; siehe auch Leshem: Straße zur Rettung, S. 203.

40. Interview mit Abraham Becker; LAS, Abt. 761/ 17421; siehe auch Leverton/Lowensohn: I Came Alone, S. 42 u. 330ff. Leshems Darstellung, wonach die Farm in der Nähe von Dublin in der Republik Irland lag (Straße zur Rettung, S. 203f.), bedarf der Korrektur.

41. Interview mit Abraham Becker.

42. Ebd.

43. Interview mit David Goldberg; LAS, Abt. 352 (Kiel)/14457 u. 14467. Davids Bruder Arthur (1926-1979) hatte nach zweimaliger Verhaftung 1942 noch in die Schweiz fliehen können; später wanderte er nach Palästina aus; LAS, Abt. 352 (Kiel)/14437.

44. LAS, Abt. 761/16666 u. 17421; Simon Wiesenthal: Jeder Tag ein Gedenktag. Chronik jüdischen Leidens, Frankfurt/Main 1990, S. 207.

45. Brief v. Esther Glanz, Privatbesitz Henry Glanz (London); Interview mit Henry Glanz; LAS, Abt. 352 (Kiel)/14416, 761/19240; Dietrich Hauschildt: Juden in Kiel im Dritten Reich, unveröff. Staatsexamensarbeit an der CAU Kiel, Kiel 1980, S. 121. Außer Esther und Joachim Glanz (geb. 1929 in Kiel) wurden mindestens 14 weitere Kieler Ostjuden von Leipzig aus in das Vernichtungslager Belzec deportiert; IZRG-Datenpool JSH.

46. Rebekka Göpfert: Die jüdischen Kindertransporte von Deutschland nach England 1938/39, in: dies.: Ich kam allein, S. 9-18, 17; Turner: ... and the Policeman Smiled, S. 260f.

47. Siehe Leshem: Straße zur Rettung, S. 214.

48. Interview mit Abraham Becker. In Millisle Ausgebildete gehörten zum Beispiel zu den Gründern des Kibbuz 'Lavi' in der Nähe von Tiberias, ebd.

49. Ebd.; LAS Abt. 761/17421; siehe auch Stephen W. Massil (Hrsg.): The Jewish Year Book, London 1993, S. 53, 108f. u. 115. 'Mizwa' ist ein Gebot, eine religiös verdienstvolle Handlung.

50. Gisela Schacher (geb. Glanz) lebte in Australien zunächst in Brisbane bei ihrem Onkel; später zog sie nach Sydney, wo sie heiratete und bis heute wohnt; Interview mit Henry Glanz.

51. Ebd.; siehe auch Aumie u. Michael Shapiro (Hrsg.): The Jewish East End, London 1996; David Feldman: Englishmen and Jews. Social Relations and Political Culture 1840-1914, New Haven/London 1994, S. 166ff.

52. Interview mit David Goldberg; 'Gooses and a donkey bring the stars to his shop', in: The People's Journal v. 14.2.1953, S. 11; 'Still Talking Dress Sense!' in: News (Edinburgh) v. 21.4.1984, S. 7.

53. Hier u. im folgenden: Interview mit David Goldberg. Benjamin Goldberg starb 1959, Regina Goldberg 1968 in Kfar Saba bei Tel Aviv.

Der Originalbeitrag enthält acht Abbildungen


Die Autorin: Dr. Bettina Goldberg, geboren 1955, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zeit- und Regionalgeschichte in Schleswig; Forschungsschwerpunkte: deutsch-jüdische Geschichte sowie deutsche und amerikanische Sozial- und Bildungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.


Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte Heft 33/34

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