//71//

Akens-Vorstand

Der Streit am und über das IZRG

Erstmalig beteiligt sich der Akens an der öffentlichen Debatte um das Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte. In den nachfolgenden Beiträgen steht nicht die Personaldiskussion im Vordergrund, sondern eine inhaltliche Auseinandersetzung um geleistete Forschungstätigkeit und strukturelle Defizite der Institutsarbeit. Die Berichterstattung über interne Auseinandersetzungen im Institut und im Kuratorium, in dem der Akens-Vorstand erst durch den Kollegen Klaus Bästlein und danach durch Eckhard Colmorgen vertreten war, ist vom Vorstand im Akens nie betrieben worden. Vielleicht ein Fehler, wie manche KollegInnen sagen, zumal auch bei der inhaltlichen Kritik an der Tätigkeit des Instituts Zurückhaltung geübt wurde, um keine öffentliche Diskreditierung zu begünstigen. Denn trotz aller Querelen am IZRG ist die geleistete Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenn auch in unterschiedlichem Umfang und die Anzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen beachtlich.

Akens e.V. – der Vorstand

Zur Entstehung des aktuellen Konfliktes

Das in Schleswig ansässige Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte (IZRG) hat in der landes- und bundesweiten Presse wiederholt negative Schlagzeilen gemacht. In der historisch-wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit Schleswig-Holsteins gab es eine Diskussion über die Person des Historikers Prof. Dr. Uwe Danker und dessen Ende 1998 endgültig erfolgte Berufung an das Institut. Die Tatsache, dass er Mitglied der SPD ist und als deren ehemaliger Pressesprecher (Juni 1988 bis Januar 1994) im Februar 1994 eine gute Ausgangsposition für die Berufung auf die C3-Stelle am Institut hatte, ließ schon damals auf parteipolitischer Ebene die Wellen hochschlagen und unter den "Kollegen" Neid und Missgunst entstehen. Der Streit um das Institut ist also nicht neu.

Mit der im Jahre 1992 erfolgten offiziellen Gründung des IZRG hatte die erstmalig nach jahrzehntelanger CDU-Herrschaft von der SPD gestellte Landesregierung in Schleswig-Holstein der Kritik an der unzulänglichen Forschung am historischen Seminar der Kieler Universität Rechnung getragen. Im außeruniversitären Bereich hatten in den 70er und 80er Jahren interessierte Historiker/innen Vereinigungen gegründet, wie den Arbeitskreis für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins, den Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein und den Beirat für Geschichte der Arbeiterbewegung und Demokratie in Schleswig-Holstein, deren Namen programmatisch Defizite in Forschung und Lehre der Landesuniversität kenntlich machten.

Aus der Einsicht heraus, dass die eigene Forschungs-, Koordinations- und Publikationstätigkeit die Versäumnisse der landeskundlichen Geschichtsforschung nicht würde wettmachen können, setzten sich diese drei Organisationen zusammen mit dem prominenten SPD-Landtagsabgeordneten Kurt Hamer im Vorfeld für die Schaffung des dann 1992 gegründeten Institutes ein und sind u.a. auch im Kuratorium des IZRG vertreten.

Die personelle Besetzung des Instituts und die Relation zur Kieler Uni wird an anderer Stelle ausführlich geschildert. Hier ist vor allem auf den Streit hin-


//72//

zuweisen, der bald am Institut und im Kuratorium entstand: Vor dem Hintergrund der Vorwürfe und des auf dem Institut lastenden Erwartungsdrucks, durch Öffentlichkeit und Politik ausgelöst, waren Auseinandersetzungen zwischen den Mitarbeitern um Einflussmöglichkeiten, über geleistete und nicht geleistete Arbeit, gespeist durch persönliche Eitelkeiten und Profilierungssucht an der Tagesordnung. Auch der Freitod des Kollegen Dr. Korte im Jahre 1995 änderte daran nichts. Die nicht mehr vorhandene Gesprächsbasis zwischen einigen Mitarbeitern führte zu unkoordiniertem Nebeneinander in der Forschung.

Ende 1997 ging der Streit um das IZRG in eine neue Runde: Die Wieder- bzw. Neubesetzung der auf fünf Jahre befristeten Stelle von Uwe Danker stand an (sie wäre offiziell am 31. Januar 1999 auslaufen). Das Kultusministerium sprach sich im Februar 1998 gegen die von der BU vorgeschlagene interne Verlängerung von Dankers Vertrag und für eine Neuausschreibung aus. Als sich im Laufe des dann geführten Berufungsverfahrens abzeichnete, dass Danker – der sich während der Tätigkeit am IZRG nicht wie geplant habilitiert hatte – nicht zu den vier für die Stellenbesetzung vorgeschlagenen Wissenschaftlern gehören würde, brach das Kultusministerium im Herbst 1998 das Verfahren ab; Dankers Leistung, so hieß es, müsse gesondert evaluiert und dann über seine Weiterbeschäftigung entschieden werden, was ihm auch – rechtlich ziemlich ungewöhnlich – in seinem Anstellungsvertrag zugesichert worden sei. Das Kuratorium des IZRG sprach sich eindeutig für Danker aus, und das Ministerium berief ihn dann kurzerhand auf die zeitlich nun nicht mehr befristete Stelle.

Diese Entscheidung des Kultusministeriums führte unweigerlich zu Widerspruch: Einerseits war Danker die Einzelevaluierung seiner Leistung zugesichert worden, andererseits vertrug sich dies nicht mit dem Hochschulgesetz. Der von der Berufungskommission auf Platz eins gesetzte Wissenschaftler reichte daher Klage gegen den Abbruch des Berufungsverfahrens ein. Auch von vier an der BU Flensburg tätigen Mitgliedern der Berufungskommission – darunter Dankers IZRG-Kollege Prof. Dr. Gerhard Paul – kam öffentlich drastischer Widerspruch gegen den Schritt des Ministeriums.

Das Kultusministerium versuchte dann, einen scheinbaren Königsweg zu gehen: Um der Fürsorgepflicht für den Landesbediensteten zu genügen, wurde Danker unabhängig vom laufenden Verfahren auf eine schnell neu am IZRG eingerichtete Lebenszeit-Stelle berufen, wenn auch eine Besoldungs- und Hierarchiestufe niedriger (C2). Das unterbrochene Berufungsverfahren für die eigentliche "Danker-Stelle" wurde wieder in Kraft gesetzt.

Dem Ansehen und der Funktionsfähigkeit des IZRG haben diese Querelen nur Schaden zugefügt. Nach außen hin sieht alles nach Filz und Mauschelei aus, und das schon vorher angespannte Arbeits- und Vertrauensklima zwischen den beiden Hauptkontrahenten, Prof. Danker und Prof. Paul, ist endgültig ruiniert. Inzwischen gehen sie unterschiedliche Wege: Gerhard Paul wird künftig in Flensburg kulturwissenschaftliche Forschung betreiben. Uwe Danker startet mit seinem Kollegen Prof. Dr. Robert Bohn einstweilen einen "Neuanfang" des IZRG.


Veröffentlicht in den Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte Heft 36 (1999) S. 71-72.


Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte Heft 36

Übersicht Informationen

Verfügbare Texte

Titelseite AKENS